Lombok: Wie mich die kleine Schwester Balis verzauberte

Was mich an Bali faszinierte, war schlicht und ergreifend der Vibe der Menschen. Die Freundlichkeit und Offenheit des Hinduismus zu spüren, die Surfkultur zu erleben – das war Bali. Was mich schließlich dazu bewog, nach Lombok zu fahren, war das Wissen, dass die Insel noch weniger bebaut und touristisch weniger erschlossen ist. Ich sah gedanklich ein einziges Grün vor mir – und tauchte vor Ort direkt darin ein.

Senggigi und die Frage: Bin ich hier richtig?

Ich kam mit dem Boot am Hafen Bangsal an und stieg in den Shuttlebus, der mich nach Senggigi brachte. Ich wollte nicht gleich nach der Überfahrt in den Süden reisen. Der lockt zwar mit schönen Stränden, aber die wollte ich mir für später aufheben. Also fuhr ich mit dem Bus an der Westküste der Insel entlang und saß sprachlos ob der Schönheit der Landschaft darin. Die kurvenreiche Straße schlängelte sich von einem wunderschönen Aussichtspunkt zum nächsten, durch Palmenhaine hindurch, und ich kam nach knapp einer Stunde in Senggigi an.

Ich war baff; blätterte in meinem Reiseführer und sah, was ich zuvor übersehen hatte: Hier etablierte sich bereits seit den 80ern eine Art von Tourismus, die vergleichbar mit dem in Bali ist. An sich nichts Schlechtes, wäre es nicht genau die Art von Reisenden, die ich zu meiden versuchte: das Partyvolk. In Senggigi hält sich niemand besonders lange auf, der nicht feiern möchte. Die Stadt ist zugepflastert mit Reklametafeln und bereits am frühen Abend drangen die dumpfen Clubbässe in mein Hotelzimmer.

Trotzdem. Ich hatte zwei Nächte hier gebucht und blieb, denn ich kam wegen des Strandes und der war wunderschön. Das Interessante bei meiner Ankunft in Lombok war der Kontrast zu meiner Abfahrt in Bali: dort war es heiß und sonnig, hier war der Himmel mit tiefen, dunklen Wolken behangen, das Meer aufgewühlt und der von Haus aus dunkle Sand wirkte fast schwarz. Ich lief am Strand entlang und atmete tief durch. So stellte ich mir Lombok zwar grundsätzlich gar nicht vor, doch ich mochte es. Es war schlichtweg anders.

Tipp: Das Restaurant der Jo Je Bungalows serviert am Abend leckeres, indonesisches Essen. Von dort machte ich einen Strandspaziergang, vorbei am Café Alberto, eine sehr schöne und hochwertig eingerichtete Bed & Breakfast-Anlage, in der es leckeres Essen gibt, unter anderem mediterrane Gerichte.

Lomboks Norden – Pusuk Monkey Forest, Mount Rinjani und die Wasserfälle

Ein weiterer Grund, eine Nacht hier einzulegen: Senggigi ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge. Während ich im Süden einfach nur am Strand liegen wollte, eignete sich der Ort, um am frühen Morgen eine Tour in den Norden zu starten. Viele machen das auf eigene Faust mit dem Roller, ich hingegen entschied mich für einen netten Fahrer, der mir genau das zeigte, was ich sehen wollte und mir auch etwas über die Insel erzählte. Aber Vorsicht vor Fahrern, die einen oft nur dorthin fahren, wo sie eine Provision kassieren.

Es begann mit einer kurvenreichen Fahrt durch den Pusuk Monkey Forest, eine üppig grüne Berglandschaft mit wunderschönen Aussichtspunkten. Entlang der Straße saßen viele Affen, weil sie dort häufig von Touristen gefüttert werden – leider ein großer Minuspunkt.

Von dort aus ging die Fahrt weiter in den Nationalpark rund um den aktiven Vulkan Rinjani, die wahrscheinlich größte Attraktion Lomboks. Man kann bei verschiedenen Anbietern Tagestouren buchen, um den Vulkan zu besteigen, ich habe mir das für meinen nächsten Lombok-Besuch aufgehoben.

Zu meinen persönlichen Highlights im Nationalpark zählten die beiden Wasserfälle Sendang Gile und Tiu Kelep. Den Ersten erreichte ich ganz leicht über einen zehnminütigen Treppenabstieg. Der Zweite lag versteckter und tiefer im Dschungel, hier ging die kurze Wanderung durch kaltes, frisches Bergwasser und über einige Felsen. Am Ende lohnte sich der schweißtreibende Weg – beide Wasserfälle liegen traumhaft.

Tipp: Beim Zahlen des Eintrittspreises hat man versucht, mich übers Ohr zu hauen. Mir wurde gesagt, dass man lediglich mit Guide den Weg zu den Wasserfällen gehen darf und das Gesamtpaket stellte sich als sehr teuer heraus. Weil ich das nicht glaubte und der Fahrer mir ebenfalls bestätigte, dass das nicht stimmte, betrat ich ein zweites Kassenhäuschen, wo ich lediglich den Eintritt (10.000 IDR) bezahlte und mir nichts angedreht wurde.

Lomboks Süden – Kuta und der Traum vom Hierbleiben

Meine Fahrt in den Süden verband ich mit einem kurzen Stopp in Mataram, der Hauptstadt der Insel. Weil Lombok nicht wie Bali hinduistisch geprägt ist, sondern islamisch, gibt es dort eine beeindruckende Moschee: Bunt, dominant, riesig, mit Rolltreppen im Inneren macht sie deutlich, welchen Status der Islam hier hat und wie viel Geld für den Bau des Islamic Center in die Hand genommen wurde. Mich beeindruckte der Rundgang wirklich sehr. Ein Tipp nebenher: Nicht wundern, wenn man morgens um fünf Uhr auf Lombok von den Rufen des Muezzin geweckt wird. Wer sich damit schwer tut, sollte vorab die Lage des Hotels auf Moscheen in der unmittelbaren Umgebung checken.

Wer mag und wen die Handwerkskultur der Insel interessiert, kann auf der Strecke zwischen Mataram und Kuta sowohl in einer Töpferei halten als auch im Sukarara Village Frauen bei der Arbeit am Webstuhl zusehen. Letzteres ist rein auf den Tourismus ausgelegt, allerdings fand ich es sehr interessant, die komplizierte Technik zu beobachten. Viele Frauen lernen es von Kindheit an, da das Beherrschen des Webens sehr angesehen ist – eine geradezu unglaubliche Kunst.

Nach der Ankunft in Kuta legte sich das Gefühl, einfach hier bleiben zu wollen, um meine Schultern. Während die meisten Touristen mittlerweile vor dem Kuta auf Bali flüchten, weil der Massentourismus dort längst tiefe Spuren hinterlässt, ist das Kuta Lomboks ein Ort, der immer noch in mir nachklingt.

Kuta ist relaxt, was im direkten Zusammenhang mit der entspannten Kultur der Surfer steht, die sich hier niedergelassen haben. Außerdem vereint es die Möglichkeit, stilvoll feiern zu gehen mit schönen Shoppingmöglichkeiten, sehr guten Adressen zum Essen und den wohl schönsten Stränden der Insel. Die beste Adresse zum Feiern: The Bus. Indonesisch essen kann man hervorragend im Nuggets Corner  und für ein leckeres Frühstück und sehr guten Kaffee empfehle ich das El Bazar.

Wer nach Kuta reist, sollte sich einen Roller mieten und die Umgebung erkunden, zum Beispiel den Mawun Beach, der paradiesische Träume wahr werden lässt, oder den Tanjung Aan, mein persönliches Highlight der ganzen Indonesienreise. Warum?

Ich stieg um fünf Uhr nachmittags einen kleinen Berg hinauf und war von diesem atemberaubenden Rundumblick völlig überrascht. Über eine Stunde saß ich hier, beobachtete, wie sich das Licht veränderte, hörte das Meeresrauschen, sah, wie so viele hierher kamen, sich umarmten, picknickten und gemeinsam den Sonnenuntergang erlebten. Ich habe selten einen so friedlichen und schönen Ort gefunden wie hier oben, auf einem Hügel im Süden dieser bezaubernden Insel. Danke, Lombok. Einfach dafür.

Wissenswertes

Kultur: Ein Großteil der Einwohner gehört zum Volk der Sasak, sie haben auch ihre eigene Sprache. Sonntags kann man Hochzeitsparaden ansehen, ebenfalls bekannt ist der „Stick Fight“, bei dem sich zwei Männer mit Stock und Schild bewaffnet bekämpfen. Er findet an öffentlichen Plätzen statt, übrigens auch auf Gili Trawangan.

Essen: Wer die Küche Lomboks kennenlernen möchte, kehrt in den Garküchen, den Warungs, ein und lässt die großen Restaurants links liegen. Das Essen kann sehr scharf sein, aber oftmals wird man nach dem Schärfegrad gefragt.

Umwelt: Die Auswirkungen des Tourismus und das kaum vorhandene Wissen der Indonesier über Umweltverschmutzung sind in Bali, aber bereits auch in Lombok zu sehen. Deshalb meine Bitte: reist nachhaltig. Nutzt so wenig Plastik wie möglich, nehmt kaputte Gegenstände wie Schuhe etc. wieder mit nach Hause und entsorgt sie dort. Informiert euch über nachhaltige Projekte vor Ort– damit Lombok nicht schon bald so aussieht, wie viele andere Plätze, die irgendwann einmal schön waren.

 

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