Ab zum Strand: Venice Beach, Malibu & Santa Monica 

Mit dem Round The World Ticket der Star Alliance reisten Anne und Clemens um die Welt. Nach ein paar Tagen in Downtown L.A. hieß es für die beiden raus aus der Stadt und Meerluft schnuppern.

Downtown Los Angeles, 8 Uhr morgens. Müde schälen wir uns aus den Daunendecken unseres Hotelbetts. Nach den Tagen voller Sightseeing zwischen Sunset Strip und Hollywood Boulevard soll der heutige Tag in der amerikanischen 4-Millionen-Stadt anders werden, nämlich ruhiger und entspannter. Aber zuerst Kaffee! Und den holen wir uns ganz stilecht dort, wo ihn sich auch Abertausende Einheimische besorgen: um die Ecke bei The Coffee Bean. Denn dort kann man sein Frühstück im Drive Thru bekommen, also quasi im Vorbeifahren mit dem eigenen Auto.

Raus aus der Stadt und Richtung Meer

Verpflegt mit Grande Latte, Muffins und Cream Danish geht es weiter auf den Freeway und damit mitten hinein in den Dauerstau, für den Los Angeles so berühmt ist. Links, rechts, wohin man auch schaut: Autos! Und zwar über zehn bis zwölf Spuren verteilt. Oft führen so viele Auffahrten, Abfahrten, Brücken, Freeways, Highways und andere Straßen gleichzeitig an einem vorbei, dass einem schwindelig wird. Es sei denn, man steht im Stau. Wie wir. Also Radio an, Gebäck in den Mund und eine Hand ans Lenkrad. Schalten muss man nicht, dafür haben wir, wie in den USA fast jedes Auto, eine Automatikschaltung.

Unser heutiges Ziel: die berühmten Strände, die der Stadt vorgelagert sind und sich wie an einer Perlenkette entlang des Pazifiks aufreihen, darunter so klangvolle Namen wie Malibu, Santa Monica und Venice Beach. Wir wollen raus aus dem Großstadtmoloch, haben genug von der Hektik, den unendlich breiten Straßen, den extragroßen Pick-Ups und ja, den schier endlosen Staus – soweit der Plan. Und tatsächlich, nach einer knappen halben Stunde Stop-and-Go, geht es plötzlich in fließendem Verkehr vorwärts. Und mit jedem Kilometer, den wir uns dem Ozean annähern, scheint plötzlich der Verkehr weniger zu werden und die angenehm warme Luft, die durch das halb geöffnete Autofenster dringt, frischer zu sein.

Malibu: Mehr als Baywatch und dralle Blondinen

Zuerst wollen wir nach Malibu, an den Strand, der in den 1990ern durch „Baywatch“ mit David Hasselhof weltweite Berühmtheit erlangte: die Fernsehserie mit durchtrainierten Rettungsschwimmern und vollbusigen Rettungsschwimmerinnen. Doch zuvor geht der Freeway nach einer kurzen Fahrt durch einen Tunnel direkt in den berühmten Highway No. 1 (eigentlich California State Route 1) über, jene legendäre Küstenstraße, die L.A. mit San Francisco verbindet. Und schon sehen wir ihn, den Pazifik. Tiefblau baut er sich vor uns auf, nur durch einen extrem breiten Sandstrand von uns getrennt.
Nach insgesamt eineinhalb Stunden im Auto erreichen wir Malibu und müssen nur noch einen Parkplatz finden. Doch das ist, wie sich herausstellt, gar nicht so einfach. Nachdem die einzig auffindbaren Parkplätze knapp 20 Euro pro Tag kosten, stellen wir uns kurzerhand auf den Parkplatz einer großen amerikanischen Burgerkette und schlendern zum Strand hinüber.

Kleiner Tipp: Halblegal oder illegal parken wird in den USA konsequent verfolgt. Etwaige Strafzettel werden über Mietwagenfirmen bis nach Deutschland geschickt; soll eine Wiedereinreise in die USA nicht scheitern, sollten sie auch bezahlt werden (am schnellsten und billigsten per Kreditkarte vor Ort).

Eine so lange Anreise muss belohnt werden, denken wir uns, und zwar mit einem Essen im Malibu Farm Restaurant (23000 Pacific Coast Hwy, Malibu). Dieses befindet sich, sehr stilecht, mitten auf dem Malibu Pier. Von hier hat man nicht nur einen unvergesslichen Blick auf den breiten Malibu Beach und die Surfer im Pazifik, sondern auch beste Unterhaltung durch die zahlreichen Möwen. Sie fliegen wild kreischend um einen herum und versuchen, auch etwas vom Essen abzubekommen. Keine Chance, wir sind heute nicht willig, unseren Salat und die Sandwiches zu teilen.

Venice Beach: Reizvolle Seitengassen und waghalsige Skater

Aufgeheizt von der Sonne, geht es nach der kleinen Stärkung weiter in Richtung Süden nach Venice Beach. Noch ein weiterer Ort, dem sein Ruf vorauseilt. Venice, der Traumstrand aller Träumer und Lebenskünstler, aller Freidenker und Kreativen. Und all derjenigen, die den American Dream nie aufgegeben haben. Oder aber doch? Wir sind beim Schlendern entlang des Venice Beach Boardwalk (1800 Ocean Front Walk, Venice) mit Blick auf den Strand und weitläufige Grünflächen zugegebenermaßen nur mäßig überzeugt von dem Bild, das uns die kleine Strandstadt bietet. Denn statt auf Künstler und Frohnaturen treffen wir auf zahlreiche Obdachlose, verlotterte Landstreicher und sichtbar Drogenabhängige.

Zum Glück gibt es da noch die Skater und ihre riesigen Skate Bowls am Strand (Venice Skate Park, 1800 Ocean Front Walk, Venice). Dabei handelt es sich um schüsselförmige  Betonanlagen, die so in den Boden eingelassen wurden, dass sie sich perfekt zum Befahren mit dem Skateboard eignen. Zu einer Handvoll talentierter Jung-Skater und Urvätern des Skate-Kults gesellen sich zu jeder Tageszeit unzählige Schaulustige, die jede gelungene Aktion mit Applaus belohnen. Oder auch mit einem lauten Raunen, wenn mal einer der Skater spektakulär auf dem Hosenboden landet. Gegenüber fällt uns ein kleiner Buchladen auf, der von seiner urigen Aufmachung her so gar nicht ins Bild des abgefahrenen Venice Beach Boardwalk passen will. Fast eine halbe Stunde stöbern wir bei Small World Books (1407 Ocean Front Walk, Venice) durch eine illustre Sammlung von Literatur aus aller Welt und vergessen dabei sogar ein wenig, dass wir ja eigentlich am Strand sind und vor der Tür die Sonne gnadenlos vom Himmel scheint.

Wieder auf dem Venice Boardwalk und in den unzähligen Seitenstraßen fällt uns jede Menge Graffiti ins Auge, mal klein in Form von Tags und Schriftzügen, mal in Form großer Wandgemälde. Mal mit politischer Botschaft als Abgesang auf den Amerikanischen Traum, mal als bildliche Metapher von Venice und Kalifornien. Noch eine ganze Weile schlendern wir durch die Gassen hinter der Strandpromenade und entdecken an jeder Ecke neue Kunstwerke, eines bunter als das andere.

Doch dann verspüren wir langsam wieder Hunger. Und der führt uns ins Gjelina auf dem Abbot Kinney Boulevard (1429 Abbot Kinney Blvd, Venice). Das junge Restaurant gehört zu den angesagtesten Lokalen der Stadt und überrascht uns durch eine sehr industriell angehauchte Inneneinrichtung. Sie wirkt trotz der vielen Eisen- und Kupferbauteile nicht zu schwer und erdrückend. Und siehe da, auch die Pizzen, die wir uns bestellen, sind zu unserer Überraschung mehr als gut, wenn auch mit 20 Euro nicht gerade ein Schnäppchen.

Santa Monica: Das beste Eis gibt’s am Pier

Die Nachspeise jedoch heben wir uns für unser nächstes Ziel auf: Santa Monica, wenige Kilometer weiter nördlich. Kaum eine halbe Stunde später halten wir auch schon vor der Sweet Rose Creamery (826 Pico Blvd, Santa Monica – weitere Filialen in ganz L.A.). Hier soll es das beste Eis von Santa Monica geben. Und tatsächlich, schon die Auswahl an Milcheis- und Sorbetsorten ist beeindruckend. Schmecken tut es auch. Und zwar in unserem Fall eine gelungene Mischung aus Schokoladen- und Nusseis beziehungsweise Zitronensorbet mit Joghurt.

Mit dem Eisbecher in der Hand schlendern wir den Santa Monica Pier entlang, vorbei an Essensständen, Ständen mit Kunsthandwerk und verschiedensten Fahrgeschäften. Hier hat die Szenerie nicht den zwiespältigen Touch von Venice Beach; hier verdient sich eine junge Asiatin ein paar Dollar dazu, indem sie den ganzen Pier mit atmosphärischem Gesang beschenkt; hier geht die Sonne so theatralisch im Meer unter, als wäre es für immer. Erst einmal aber haben wir noch etwas anderes vor uns: nämlich die blinkende Autokarawane zurück nach Downtown.

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