Rundreise Georgien: Vom Kaukasus in die Steppe

Auf einer Fläche so groß wie Bayern finde ich auf meiner „Rundreise Georgien“ atemberaubende Landschaften mit wilder Natur, vielseitige Architektur, alte Höhlen- und Felsenstädte, mystische Kirchen, mittelalterliche Wehrtürme, leckere Speisen und ein immer vorhandenes Strahlen der Menschen. Wie wahr, Georgien ist perfekt für einen Roadtrip!

Kasbek und die imposanten Gipfel des Kaukasus

Meine Rundreise durch Georgien beginnt in Tbilissi. Langsam schleichen Autos und LKWs mit vornehmlich russischen Kennzeichen zwischen Tbilissi und Steppamintsa durch die Berglandschaft. Die einstige georgische Heerstraße führt mich direkt an die russische Grenze. Der tiefblaue Jinvali-Stausee mit der malerischen Wehrkirche Ananuri an seinem Ufer zieht an meiner Autoscheibe vorbei, bevor ich über Serpentinen durch das verlassene Skigebiet Gudauri und über den knapp 2400 m hohen Kreuzpass fahre.

Laut der griechischen Mythologie soll Prometheus im Kaukasus an einen Felsen gekettet worden sein, weil er den Göttern das Licht stahl. Täglich riss ihm ein Adler die nachwachsende Leber aus dem Leib. Und genau dieser 5033 m hohe Berg namens Kasbek tut sich in Schnee gehüllt eindrucksvoll auf, als ich Steppamintsa erreiche. Für die Besteigung reicht die Zeit nicht, aber für eine kleine Wanderung zur Kirche Zminda Sameba (Dreifaltigkeitskirche). Die einzige Kuppelkirche im georgischen Gebirge erstrahlt im mittäglichen Sonnenlicht vor dem Kasbek. Sie beherbergte über Jahrhunderte den georgischen Kronschatz und das Weinrebenkreuz der Heiligen Nino, die das Christentum nach Georgien brachte.

Mzcheta – die ehemalige Hauptstadt und das religiöse Zentrum Georgiens

Auf dem Rückweg halte ich in Mzcheta, der ehemaligen Hauptstadt Georgiens, die auch als religiöses Zentrum gilt. Von Weitem sichtbar thront hier das Kreuzkloster (Dschwari-Kloster) auf einem Vorsprung des Sagurami-Bergrückens über der Stadt. Es zählt zu den größten Meisterwerken georgischer Architektur und wurde an der Stelle errichtet, an der die Heilige Nino während der Christianisierung Georgiens ein riesiges Kreuz errichten ließ.

Zwischen Souvenirläden und Essbuden werde ich vom Parkplatz der autofreien Altstadt zur Swetizchoweli-Kathedrale geführt. Aus dem fast 1000 Jahre alten Gemäuer dringen stimmungsvoll die Melodien eines Chors. Laut einer Legende sollen Engel beim Aufrichten der Kirchenpfeiler geholfen haben – daher stammt auch der Name „Kathedrale der lebensspendenden Säule“.

Nächster Stopp der Rundreise Georgien: Gori – Stalins Geburtsort

Von Mzcheta führt mich mein Weg gen Westen in Stalins Geburtsstadt Gori. Plattenbauten ziehen an meiner Fensterscheibe vorbei. Hinter dem Parkplatz hängt Stalins Konterfei großflächig am Supermarkt neben einem „For rent“-Schild. Ich besuche nur den Garten des Stalin-Museums. Hier sieht man das Wohnhaus Stalins mit einem Pavillon überdacht und den Eisenbahnwaggon, in dem er 1944 zur Konferenz in Jalta reiste.

Eine Stadt im Fels – Unterwegs in der Höhlenstadt Uplisziche

Weinstöcke zieren jedes Haus am Straßenrand bei meiner Fahrt in das 15 km entfernte Uplisziche, der nächste Stopp auf meiner „Rundreise Georgien“. Männer baden im Mtkwari, um sich in der brütenden Mittagshitze von 35 Grad abzukühlen. Über diesem liegt szenisch schön die Höhlen- und Felsenstadt aus dem 6. Jahrhundert v.Chr. In ihrer Blütezeit zählte die Stadt 20.000 Einwohner, die durch die Lagen an der Seidenstraße hauptsächlich vom Handel lebten. Ihre Wohnhäuser schlugen sie in den weichen Sandstein, in dem sich noch Räume erkennen lassen. Auch während der mehrfachen Belagerungen konnte Uplisziche durch einen 40 Meter langen Tunnel zum Fluss mit Wasser versorgt werden, was ihr Überleben sicherte.

Kutaisi und die fruchtbare Kolchische Tiefebene

Über Kurven und durch Tunnel erreiche ich auf meiner „Rundreise Georgien“ die Kolchische Tiefebene. Verkaufsstände säumen den Weg, an denen erst Korbwaren, dann Honig, dann frisches Nazuki-Brot angeboten wird. Kutaisi ist zwar das Zentrum Westgeorgiens, aber trotzdem viel verschlafener als Tbilissi. Seit 2012 tagt hier das Parlament Georgiens in einem architektonisch interessanten Gebäude aus der Saakaschwili-Zeit. Auch das soll die Stadt unter dem grünen Dach von Hibiskus, Oleander, Palmen und Zypressen etwas beleben.

Nicht weit vom Rioni-Ufer befindet sich der Markt. Man sieht der Frische des Obsts und Gemüses an, dass es aus der Umgebung kommt. Der Duft von Gewürzen und frischem Käse zieht durch die überdachten Gänge. Abends esse ich im Palati Restaurant viele kleine georgische Spezialitäten gewürzt mit Koriander, wildem Thymian, Estragon und Dill. Auch das omnipräsente Chatschapuri, ein überbackenes Käsebrot, fehlt nicht bei meiner Mahlzeit.

Gelati – und die Mystik der Sonntagsmesse

Unweit von Kutaisi liegt die Klosteranlage und Akademie Gelati, die David der Erbauer Anfang des 12. Jahrhunderts errichten ließ und die UNESCO-Weltkulturerbe ist. In der Akademie, die nach dem Vorbild von Konstantinopel entstand, wurde geistliches und weltliches Wissen gelehrt. Alte Weinfässer deuten noch auf den Weinanbau hin, den man hier auch lehrte. Im Torgebäude befindet sich ein Grab von David dem Erbauer mit altgeorgischer Inschrift. Einer Legende nach sollte man beim Betreten der Anlage immer kräftig auf das Grab treten, damit er weiß, dass seine Georgier noch leben.

Es ist Sonntagmorgen, als ich das Kloster bei meiner Rundreise betrete. Fresken zieren den Innenraum, in dem bereits einige Frauen mit Kopftüchern verteilt stehen. Ein Messdiener liest rhythmisch Gebete vor, die für mich wie Musik klingen. Der Priester dreht eine Runde und gibt den Segen. Drei bis vier Stunden wird diese Messe dauern. So viel Zeit bleibt mir nicht.

Vardzia – Die Höhlenstadt an der türkischen Grenze

Von Westgeorgien führt mich mein Weg an die türkische Grenze. Vor mir liegt die bildschöne Schlucht, die von mächtigen Sandsteinfelswänden gerahmt wird, durch die sich der aus der Türkei kommende Mtkvari windet. Ich fahre noch ein Stück weiter, als sich vor mir eine imposante Felswand auftut, die durchlöchert ist. Treppen führen am Felsen hinauf zu den Öffnungen. Vardzia! In seiner Blütezeit sollen hier 800 Mönche gelebt haben. Bis zu 50.000 Menschen konnten hier bei Angriffen unterkommen. Über Leitern und durch unterirdische Gänge gelangte man ins Innere des Klosters. Der Bau der Höhlenstadt geht zurück auf den georgischen König Giorgi III. und seine Tochter Königin Tamara, die das Bauwerk vervollständigte und auch das Kloster einrichtete. Die Wände der in Stein gehauenen Klosterkirche schmücken Fresken aus der Blütezeit. In geduckter Haltung arbeite ich mich durch die engen Gänge über vier Etagen. Von den Terrassen bietet sich mir ein beeindruckender Blick über das Tal. Die Nacht verbringe ich in dem nahen Landhaus Valodia’s Cottages mit einem riesigen Blumengarten direkt am Fluss.

Kleiner Kaukasus – eine Fahrt abseits von Touristen

Von Vardzia nehme ich die szenisch schöne Landstraße durch den Kleinen Kaukasus nach Tbilissi. Plötzlich ändert sich in den Ortschaften das Schriftbild an Gebäuden und auf Schildern. Ich bin im Grenzgebiet zu Armenien. Die Landschaft wird karg, ist abgemäht, der Herbst steht vor der Tür. In den Gärten türmen sich Heuhaufen und Kuhdung für den langen Winter. Ein kühlender Wind fegt über die Hochebene. Am Paravani See fahre ich direkt ans Ufer. Zum Baden ist es doch zu frisch, aber für eine Rast lohnt sich der Stopp.

Davit Gareja und meine Fahrt durch eine unwirtliche Landschaft

Am letzten Tag meiner Reise durch Georgien begebe ich mich auf den Weg an die aserbaidschanische Grenze. In Kachetien fließen grüne Wiesen und eine karge Steppenlandschaft ineinander über. Der Weg wird holpriger und windet sich durch die unwirtliche Landschaft. Von Weitem sichtbar erstrahlt auf dem Berg Udabno das älteste Kloster des Landes Davit Gareja. Zumindest einen Teil sieht man: Lavra und Udabno. Denn der Klosterkomplex aus dem 6. Jahrhundert besteht aus mehreren Klöstern. Gut erhaltene Fresken schmücken noch immer die Höhlenwände. Auf dem Gipfel des Udabno steht eine Kapelle, an der zwei Militärs patrouillieren. Unter uns erstreckt sich eine monotone Halbwüste, die die Grenze zum Nachbarland Aserbaidschan bildet. Das Ende eines bezaubernden Landes und meiner Rundreise Georgien.

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