Singapurs Stadtviertel: Erkunden der Extreme

Mit dem Round The World Ticket der Star Alliance fliegen Anne und Clemens rund um die Welt. In Singapur erlebten die beiden eine pulsierende Metropole, deren Stadtviertel gegensätzlicher nicht sein könnten.

Es riecht nach Kaffee. Nach frisch gebrühtem Kaffee und ein bisschen nach Toast. Wir nippen an unserem Cappuccino und beobachten dabei die Chinesen, die am Stand gegenüber ihren Tee trinken, dazu eine Zigarette rauchen und durch die chinesische Tageszeitung blättern. Zwischendrin wuseln ein paar Inder umher. Die Frauen in ihren bunten Saris und die Männer mit einem Bund frischer Blumen über dem Arm, die sie gleich zu wunderschönen Ketten verarbeiten werden. Der Muezzin ruft. Die Kirchenglocken läuten. Willkommen in Singapur. Willkommen im Melting Pot Asiens. Willkommen an einem Ort, der so viele Namen hat, dass man sich eigentlich gar nicht entscheiden kann. Mal ist es der Schmelztiegel, mal Asien Light, mal der perfekte Ort für einen Zwischenstopp, mal ein geeigneter Einstieg für alle, die gern durch Südostasien reisen wollen, aber sich noch nicht so wirklich auskennen. Wir nennen es einen Ort, der so vielfältig und bunt ist, dass er eigentlich an jeder Ecke einen neuen Namen verdient hätte.

Wir verlassen das Wanderlust Hotel nach dem letzten Schluck Kaffee und machen uns auf in die kleinen verwinkelten Gassen, auf die großen Flaniermeilen und durch die klimatisierten Malls, die zu Singapur gehören wie die Moscheen, Tempel und Kirchen der vielen Religionen, die hier auf engem Raum zusammen leben.

Little India: Das bunte Blumenparadies Singapurs

Nur ein paar Minuten von unserem Hotel entfernt wird es noch bunter. Die Häuser haben die unterschiedlichsten Farben, die wunderschönen Kleider der Frauen passen perfekt in die Kulisse. Ebenso wie die Blumenketten, die Stück für Stück auf die Holzleisten der Verkaufsstände gehängt werden. Bei den Hindus gelten diese Blumenketten als Zeichen der Ehre – man findet sie an den Schreinen und Götterstatuen in den Tempeln wieder.

Wir sind mitten in Little India – Singapurs Stadtviertel, das komplett in indischer Hand ist. Hier riecht es nach Curry, nach Samosas und nach Räucherstäbchen, deren Geruch von den Schreinen und aus den kleinen Tempeln heraus duftet. Die Straßen sind so voll, dass wir uns auf einen Chai auf die Plastikstühle an einem kleinen Straßenstand setzen und einfach das Geschehen beobachten. Little India ist auf jeden Fall schon wach – wir arbeiten noch daran.

Kampong Glam: Singapurs Stadtviertel zwischen Tradition und Hipstern

Unser Spaziergang führt uns durch die Dunlop Street mitten rein in den Orient, in die Arab Street. Wir folgen den Rufen des Muezzin und vor allem den vielen Jungs, die mit Takke, einer Gebetsmütze, auf dem Kopf Richtung Moschee laufen. Heute ist Freitag, einer der heiligsten Tage bei den Muslimen, und ein Tag, an dem es in der Moschee in der Arab Street besonders voll ist. Wir folgen den Menschenmassen und beobachten durch einen Schlitz die Gebete der Männer und Jungs in der Masjid Sultan – einer der wichtigsten Moscheen Singapurs, die 1928 eröffnet wurde und sich mitten im Kampong Glam Viertel befindet.

Kampong Glam war vormals der Sitz des malaiischen Adels und ist bereits seit 1800 das Zentrum der malaiisch-muslimischen Gemeinschaft Singapurs. Kein Wunder, dass dieses Viertel auch den Namen Arab Quarter besitzt. Wir schlendern durch die kleinen verwinkelten Straßen und staunen über die bunten Hausfassaden und die hölzernen Fensterläden, die daran erinnern, wie es hier wohl früher aussah. Die Klänge des Muezzin werden langsam leiser, dafür die Bässe der Läden, die sich entlang der Haji und Bali Lane befinden, lauter.

Hip ist es hier auf einmal. Die Terrassen der Restaurants und Saftbars sind gut gefüllt. Es wird gelacht, gequatscht und getrunken, während am anderen Ende der Straße die Gebete noch in vollem Gange sind. In den Straßen riecht es nach Tee und Wasserpfeife, rechts und links befinden sich arabische Restaurants und Cafés, die mit leckeren Falafel und Shawarma locken. Ein spannender Mix aus Tradition und hippem Wandel, der im Kampong Glam Viertel perfekt durchgezogen wird.

Singapur, Hauptstadt der Malls

Wir verlassen die kleinen Gassen und landen mitten auf den großen Highways Singapurs. Zu einem Besuch in dem südostasiatischen Stadtstaat gehört auch ein Shopping-Ausflug in die Orchard Road. Der leitet uns allerdings aus dem hippen Restaurantkomplex Chijmes direkt in die zahlreichen Malls.

Die gibt es hier wie Sand am Meer, eine kälter als die andere. Kontraste und Singapur? Das passt gut zusammen und ist an jeder Ecke der Metropole zu erkennen. Während auf der einen Seite des Highways, im Arab Quarter, noch Tee auf bequemen orientalischen Kissen angeboten wurde, gibt es jetzt die Pappbecher von Starbucks, das Croissant von Paul und das Eis von Ben & Jerrys.

Glitzer, Glamour, Singapur

Singapur ist aber nicht nur klein, verwinkelt oder klimatisiert. Singapur ist vor allem auch ein bisschen Glitzer und Glamour, ein bisschen größenwahnsinnig und vielleicht sogar ein bisschen etepetete. Pünktlich zum Sonnenuntergang sitzen wir auf den Treppen der Waterfront Promenade und beobachten die Jogger, die sich durch die tropische Hitze quälen, die Kinder, die ausgelassen auf der Hüpfburg hüpfen und die aufgetakelten Touristen, die sich auf einen Singapore Sling zur Dachterrasse des berühmten Marina Bay Sands Hotels bewegen. Währenddessen ist die Lichtshow des ArtScience Museums in vollem Gange und der Stau auf den großen Highways unberechenbar.

Lau Pa Sat Food Market: kulinarische Reise durch Asien

Ein Tag in Singapur endet für uns so, wie er begonnen hat: an einem Ort der Kontraste, nämlich auf dem Lau Pa Sat Markt – ein Food Market, der alle Geschmäcker Asiens so vereint, wie es Singapur jeden Tag, jede Minute und schon immer macht.

Ob vietnamesische Frühlingsrollen, Saté-Spieße, die es vor dem Markt an einer endlosen Anzahl von Ständen gibt, Pekingente, indonesisches Nasi Goreng oder Spaghetti Bolognese: Die Auswahl an Gerichten ist hier so international wie die Bevölkerung Singapurs selbst.

Wir entscheiden uns für eine chinesische und eine malaiische Suppe, trinken dazu einen indischen Chai und einen frischen Saft, während wir die Passanten beim Schlendern über den Markt beobachten. Das Gemurmel der unterschiedlichen Nationalitäten, die hier vereint unter einem Dach essen, wird von Stunde zu Stunde lauter – angeführt vom stündlichen Läuten der Glocken, die sich seit 1991 hier befinden.

Nach nur einem Tag in Singapur wissen wir, was dieser Ort für uns ist: Ein Ort, an dem man einen kleinen Einblick in viele asiatische Kulturen bekommt. Ein Ort, der jeden Geschmack Asiens zu bieten hat. Und vor allem ein Ort, an dem man mehr als nur einen Tag braucht, um jede einzelne Facette zu erhaschen.

2 Kommentare

  1. Der Bericht zeigt auch eine farbenfrohe, bunte Stadt – im Widerspruch zum bekannen Image der kalten und quirligen Glas – Beton – Hochhaus – Stadt.

    • Vielen Dank 🙂 Ja, die Stadt hat in einigen Ecken wirklich noch ein bisschen mehr zu bieten, als das was man bisher aus Erzählungen kennt.

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