Roadtrip: Durch Taiwans Westen zum Sun Moon Lake

Mit dem Round The World Ticket der Star Alliance reisen Anne und Clemens um die Welt. Die ostasiatische Insel Taiwan erkundeten sie per Roadtrip, zunächst von Taipeh aus entlang der Westseite bis nach Kenting.

Guten Morgen Taiwan, guten Morgen Taipeh! Halb verschlafen und in Gedanken noch in Indonesien öffnen wir die Gardinen am Fenster unseres Hotelzimmers. Da steht er, in seiner vollen Pracht: Taipeh 101. Der Wolkenkratzer ist mit seinen 508 Metern das siebthöchste Gebäude der Welt und der ganze Stolz der taiwanesischen Hauptstadt. Für uns ist Taiwan ein komplett neues Land, das wir intensiv kennenlernen wollen. Unser Plan: Ein Roadtrip durch das ganze Land. Das hatten wir bisher nicht auf unserer Liste. Angeblich ist das Land ein geheimes Roadtrip-Paradies und das wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Doch bevor es losgeht, liegen 24 Stunden in Taipeh vor uns. Stunden, die wir gestärkt angehen lassen wollen – mit einem guten Frühstück, einem starken Kaffee und vor allem einem Hotel, das uns von allen Seiten schon auf die Pracht dieser Stadt vorbereitet. Aufgewacht sind wir im Humble House in Taipeh. In einem Hotel, das erst seit kurzem geöffnet ist und sich schon als stolzes Mitglied im großen Buch der Design Hotels präsentiert – und das nicht ohne Grund. Das minimalistische Design des Hotels, die klar eingerichteten Zimmer, das internationale Frühstück und vor allem der Pool mit Blick über die gesamte Stadt sind Highlights, die uns die Abfahrt wirklich erschweren.

Nach 24 Stunden in der Hauptstadt Taipeh, einer Menge Dumplings und Nudelsuppe machen wir uns auf, um das Land, das im Verhältnis zu den großen Touristenmagneten noch relativ wenig bereist wird, genauer kennenzulernen. Wir starten in den ersten Teil unserer Rundreise: Von Taipeh nach Kenting auf der Westseite der taiwanesischen Insel.

Roadtrip Taiwan – First things first

Für einen Roadtrip in Taiwan braucht man eigentlich nicht viel: Ein Auto, Hotels entlang der Strecke und ein Handy mit Internet bzw. ein Navigationsgerät. Die meisten Navigationsgeräte in Taiwan funktionieren über Telefonnummern. Das heißt, man gibt die Telefonnummer des jeweiligen Hotels in das Navigationsgerät ein, wodurch dann die genaue Adresse des Orts gefunden wird.

Die Straßen in Taiwan sind breit und einfach zu befahren. Es wird nicht gehupt, dank der 110 km/h-Grenze nicht unnötig schnell gefahren und neben den chinesischen befinden sich auch immer lateinische Schriftzeichen auf den Verkehrsschildern, so dass es leicht ist, von A nach B zu finden.

Auch Tankstellen gibt es in Taiwan nicht nur an den Autobahnen, die hier übrigens Freeways heißen, sondern auch in den kleineren Straßen, die durch die ländlichen Regionen führen. Jede Tankstelle hat ihre eigenen kleinen Goodies. Mal bekommt man einen ganzen Packen Taschentücher nach der Zahlung, mal ein paar Wasserflaschen – ein super Service! Neben den riesigen Raststätten an den Autobahnen befindet sich an fast jeder Ecke ein Supermarkt der 7/11-Kette – der perfekte Ort, um die Wegzehrung ein wenig aufzustocken.

Erste Etappe: Von Taipeh zum Sun Moon Lake

260 Kilometer in dreieinhalb Stunden. Das sagt unser Reiseplan für heute. Es geht von Taipeh ins Landesinnere zum Sun Moon Lake. Raus aus der Großstadt, rein in die Natur. Und die soll in Taiwan wirklich etwas zu bieten haben. Vor uns liegt aber auch die Herausforderung des Autofahrens in Taiwan. Und die geht mit vielen Fragen einher: Sind Verkehrsschilder nur auf Mandarin? Gibt es in Taiwan Links- oder Rechtsverkehr? Und ist der nicht super hektisch? Fragen über Fragen, die sich schon nach den ersten paar Kilometern in Luft auflösen. Es stellt sich heraus: Autofahren in Taiwan ist nicht viel anders als in Deutschland, bei Rechtsverkehr und englischen Beschilderungen. In Windeseile sind wir also aus der Innenstadt raus und mitten auf dem Expressway, der uns weiter auf den Highway führt. Mal zwei Spuren, mal drei, aber immer bei sehr geregeltem Verkehr. Es geht immer weiter ins Landesinnere. Was uns als nächstes auffällt: Überall Grün! Wir passieren üppige, grüne Hügel, nur unterbrochen von langen Tunneln. Sonnenbrille auf, Sonnenbrille runter.

Nach einer Stunde stoppen wir an einem der riesigen Rasthöfe: der Guanxi Service Station. Das Hauptgebäude begrüßt mit einer Vielzahl an Restaurants mit chinesischen Leckereien, riesigen (und sauberen) Toiletten und ganz vielen Einheimischen, die so wohlig beieinandersitzen, als wollten sie hier den ganzen Tag verbringen. Nicht mit uns.

Nach weiteren zwei Stunden sind wir endlich da: Am Sonne-Mond-See. Den See mit dem romantischen Namen schauen wir uns gleich von oben an: nämlich aus dem Sun Moon Lake Ropeway, einer Gondel, die uns in sieben Minuten in die umliegenden Berge bringt. Tolle Ausblicke inklusive. Wieder zurück an der Talstation, machen wir uns auf zum Wenwu-Tempel, der am Nordufer etwas erhöht über dem See liegt. Er ist zum Teil dem Kriegsgott Guan Gong und zum Teil Konfuzius geweiht. Uns beeindruckt er vor allem durch seine Größe und Farbigkeit.

Vollbepackt mit ersten Eindrücken, machen wir uns auf zu unserer Unterkunft in Ita Thao, wo wir entlang des Piers am Nachtmarkt (in einem Restaurant namens Pa Nu Kapa MuMu) unseren Hunger mit gegrilltem Fisch, Wasserspinat und Geschnetzeltem aus gebratenem Schweinefett stillen, das wir mit namenlosem chinesischen Bier herunterspülen. Und dann geht es ab ins Bett – zu Sonne, Mond und Sternen.

Zweite Etappe: Vom Sun Moon Lake nach Tainan

Draußen wird getuschelt. Chinesisch, glauben wir. Doch so richtig können wir es nicht feststellen. Der zweite Tag unseres Roadtrips durch Taiwan beginnt mit dem Weckruf einer Reisegruppe, die sich schon in den frühen Morgenstunden in den klimatisierten Reisebus setzt.

Vor uns liegen knapp 162 Kilometer, mehrere Tempel und das Ziel Tainan. Der Sun Moon Lake ist mit seinen acht Quadratkilometern nicht nur das größte Binnengewässer Taiwans, sondern vor allem auch ein Ort, an dem sich Tempel, Pagoden und Schreine aneinanderreihen. Wir beginnen unsere heutige kulturelle Tour um den See bei der Ci-En Pagode. Auf knapp 750 Metern Länge geht es hier ein paar Stufen hinauf, bis die neunstöckige Pagode vor uns thront. Schön ist sie und verdammt gut erhalten. Innen führt eine Wendeltreppe nach oben, bis man den See in voller Breite erkennen kann.

Nur ein paar Minuten Fahrt von der Pagode entfernt liegt einer der beliebtesten Punkte des Sun Moon Lake: der Hsuang-Tsang Tempel. Wir müssen uns deshalb in eine Schlange einreihen, um das obligatorische Foto aufzunehmen. Nach geduldigem Warten sind wir endlich an der Reihe, um unser Foto vom Tempel zu schießen. Knips. Erledigt.

Der gesamte Weg in Richtung Freeway führt entlang des Sees, bis er direkt durch die kleinen Ortschaften, die hier Townships heißen, geht. Wir folgen ihm für die nächsten 100 Kilometer, bis sich die große Stadt Tainan schon wie ein Teppich rechts hinter den grünen Feldern ausbreitet. Wir kommen direkt in der Belle Heure, der Stunde, in der die Stadt noch schöner aussieht, als sie eigentlich sowieso ist. Die Straßen sind gesäumt mit flackernden Neonleuchten, ein wahres Schildermeer gibt es hier. Wir lassen den Abend in Tainan in der belebten Baoan Road ausklingen, in der, so wie an jedem Abend, die traditionellen taiwanesischen Gerichte serviert werden. Unser Liebling? Die Rindersuppe bei A Cun. Gute Nacht, Tainan, du Neonstadt.

Dritte Etappe: Von Tainan nach Kaohsiung

Neben Neonlichtern und kleinen Straßenmärkten ist Tainan aber auch die heimliche Hauptstadt der schönen Tempel in Taiwan. Deswegen beginnt unser Morgen auch erst einmal mit einer ausgiebigen Tour durch die Innenstadt mit all ihren Tempeln. Den Anfang macht der Konfuzius Tempel. Schon beim Betreten des riesigen Areals fällt uns auf, wie ruhig und entspannt es hier ist. Man hört kaum Stimmen, obwohl sich einige Touristen in der Tempelanlage befinden; es riecht angenehm nach Räucherstäbchen und auch sonst wirkt alles wie eine echte Oase der Ruhe. Der Eintritt in den normalen Außenbereich ist kostenlos, erst beim Betreten des Palastbereichs werden 25 NT$ fällig.

Von hier aus geht es für uns direkt zum nächsten Tempel, einem Matsu Tempel. Dieser war einst der Palast von Ning Jin, dem letzten König der Ming-Dynastie. Kurz vor seinem Tod wurde aus dem Palast dann ein Matsu Tempel – so wie der König es sich gewünscht hat. Vor dem Palast befindet sich ein kleiner Kaffeestand mit ein paar Hockern, von denen aus man den allerbesten Blick auf diesen wunderschönen Tempel hat.

Unsere kleine Tempeltour endet in den Chihkan Towers, einer alten Burg, die durch alle erdenklichen Master gegangen ist: Ming, Qing und zwischenzeitlich sogar Japaner. Die Burg ist der perfekte Ort, um an einem heißen Tag in Tainan im Schatten spazieren zu gehen und die historische Vergangenheit der Stadt ein wenig auf sich wirken zu lassen. Wir machen noch eine kurze Pause, bevor es für uns weiter entlang der Westküste Taiwans geht. Das nächste Ziel: Kaohsiung.

Kaohsiung, die moderne Stadt im Osten Taiwans

Kaohsiung ist groß, sehr groß. Wenige Leute können sich vorstellen, dass sich hier im Süden von Taiwan eine Stadt versteckt, die sogar mehr Einwohner als Taipeh hat. In den letzten Jahren hat sich die Hafenstadt Kaohsiung zu einer modernen Metropole entwickelt und das fällt uns direkt beim Einfahren in die Stadt auf: Viele kleine Cafés reihen sich entlang der weiträumigen Straßen, die Parkhäuser sind modern und auch sonst wirkt alles ein wenig herausgeputzt.

Den Abend lassen wir bei einem kleinen Spaziergang über den Liuhe Nachtmarkt ausklingen. Nachtmärkte in Taiwan haben immer etwas Besonderes. Die kleinen Straßenstände, die sich rechts und links von der Straße befinden, sind meist schon von Weitem dank ihrer Neonleuchten zu erkennen. Dazu kommt der Geruch – ein Mix aus gegrilltem Oktopus, süßen Pancakes und, naja, stinkendem Tofu. Der heißt tatsächlich so und wird seinem Namen wirklich gerecht. Es ist immer spannend, über einen solchen Markt zu schlendern, denn ob Maiskolben, Nudelsuppe oder sogar ein frisch gegrilltes Steak, man findet wirklich immer etwas. Übrigens: Für die ganz Mutigen gibt es auf dem Liuhe Nachtmarkt sogar ein Schlangenrestaurant in dem alle möglichen Gerichte mit Schlangenfleisch verkauft werden. Wir haben uns das nicht getraut, sondern uns für Nudeln auf dem heißen Stein und Steak entschieden.

Vierte Etappe: Von Kaohsiung in den Kenting Nationalpark

Bevor es für uns an den südlichsten Zipfel von Taiwan geht, wollen wir die große Stadt Kaohsiung aber auch abseits des Nachtmarkts kennenlernen. Direkt am Morgen wagen wir uns in den recht geordneten Arbeitsverkehr und machen uns auf in Richtung Lotus-Teich. Dieser liegt im Norden der Stadt und ist das Zuhause von mehr als 20 Tempeln. Wir starten im Süden des Teichs, an der alten Stadtmauer, und passieren bei einem entspannten Spaziergang die Drachen- und Tiger-Pagode, den Frühling- und Herbst-Pavillion und die 24 Meter hohe Statue von Xuantian Shang-di.

Den Vormittag in Kaohsiung lassen wir im hippen Pier-2 Art District ausklingen. Ein Gelände, das früher nur aus Lagerhallen bestand und heute Buchläden, Bäckereien, ein Kino und vereinzelte kleine Galerien und Kunstareale beherbergt.

Mit einem letzten Kaffee stärken wir uns für den heutigen Streckenabschnitt und der damit letzten Fahrt entlang der Westküste von Taiwan: Es geht mitten hinein in den Kenting Nationalpark und in den folgenden Tagen dann die Ostküste Richtung Norden hinauf bis nach Taipeh.

3 Kommentare

  1. Vor gut 200 Jahren schrieb der deutsche Dichter Matthias Claudius in
    „Urians Reise um die Welt“:

    „Wenn jemand eine Reise tut,
    So kann er was verzählen;
    Drum nahm ich meinen Stock und Hut,
    Und tät das Reisen wählen.

    Da hat Er gar nicht übel dran getan;
    Verzähl‘ Er doch weiter Herr Urian!“

    Wir können euch nur bewundern: in 90 Tagen um die hektische Welt und dabei den Orten immer was Schönes abgewinnen. Das ist nicht leicht. Wir hören aber gerne den Erzählungen zu.
    Wir lauschen und staunen, genießen die schönen Bilder und träumen.

  2. Wunderbare Bilder und wie immer spannende Erzählungen. Hut ab,für diese grossartige Leistung!

  3. Thomas Pfannkuch

    Ein toller Bericht über Taiwan. Da erinnere ich mich gerne an meine Reise vor genau einem Jahr in das wunderschöne Land Asiens zurück. Mich hat die Mischung aus Kultur, Landschaft, Lebensgefühl und beeindruckender Natur in den Bann gezogen. Da muss ich unbedingt wieder hin, wenn ich die tollen Bilder hier sehe 🙂
    Viel Erfolg weiterhin beim Entdecken weiterer Länder.

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