Tipp: Welche Kamera passt zu mir und meiner Reise?

Deine Reise beginnt in einer Woche und Du hast noch keine Kamera? Kein Problem, denkst Du: Online-Händler liefern bis morgen, und echte Fotoläden gibt es auch noch. Doch was folgt, ist die Qual der Wahl: Welche Kamera ist die richtige für mich und meinen Urlaub?

Profi-Werkzeug: die Digitale Spiegelreflexkamera als Reisekamera

Nur engagierte Amateure und halbe Profis haben die Ausrüstung der Wahl immer reisefertig im Schrank stehen. Sie entschieden sich meistens für ein Spiegelreflexsystem (DSLR): höchste Qualität, maximaler Funktionsumfang und viele individuelle Einstellmöglichkeiten sind die Belohnung dafür, dass man einen hohen Preis gezahlt hat und viel Gewicht mit sich rumschleppen muss. Will man wirklich höchste technische Bildqualität, muss man aber auch in entsprechende Objektive investieren. Das Zoom-Objektiv, das sich für Landschaftsaufnahmen und für Tierfotografie gleichzeitig eignet, ist und bleibt ein Kompromiss, der kaum die teure Kamera rechtfertigt. Wer also keine Zeit in die aufwändige Nachbearbeitung von Bildern investiert oder großformatige Poster oder hochwertige Bildbände produzieren will, für den ist eine DSLR kein Muss.
Überlege Dir auch, dass die besten Momente oft dann sind, wenn Du die schwere DSLR-Kamera auf dem Zimmer gelassen hast: bei der Mitternachtsparty, am Pool, beim Wellenreiten, in der Schlucht oder am Berg.

Klein, aber oho: Kompaktkameras

Gehörst Du zu den Aktiven unter den Reisenden, die jeden Moment festhalten wollen und die Bilder gerne am Bildschirm oder Tablet ansehen und über Facebook oder Whatsapp mit Freunden teilen? Dann ist eine Kompaktkamera genau das richtige für Dich: klein und leicht und damit überall hin mitzunehmen. Die Auswahl bei den Kompakten ist enorm hoch, deshalb kannst Du selbst entscheiden, was für Dich am wichtigsten ist: Willst Du eine kleine, leichte, schicke Kamera für die Hand- oder Hosentasche, und gehst Du immer sorgfältig mit ihr um? Oder soll die Kamera auch mal mit ins Wildwasser oder den Tiefschnee? Dann solltest Du Dich für eine wasserdichte und stoßgeschützte Outdoor-Kamera entscheiden. Die Entscheidung richtet sich auch nach Deinem Geldbeutel. Mittlerweile gibt es Kompaktkameras, die auch schon sehr viele Funktionen bieten, die früher nur Spiegelreflexkameras vorbehalten waren. Umgekehrt bieten viele Kompakte nun Funktionen, die es bisher nur als Smartphone-Apps gab, wie Zeitraffer oder Zeitlupe.

Action Cams ersetzen weder Kamera noch Smartphone

Auf die Kategorie der Action Cams soll dieser Beitrag nicht zu sehr eingehen. Sie eignen sich eigentlich nur, um Actionerlebnisse live mitzuschneiden. Da Du sie meistens nicht am Auge hast, sondern am Helm oder am Sportgerät montierst, ist der Ausschuss der Bilder oder Filme hoch. Die Ergebnisse müssen stark aussortiert oder zusammengeschnitten werden – wenn Du geübt an Bild- und Filmbearbeitungsprogrammen bist, können daraus packende Fotos und Filme entstehen. Um alle Erlebnisse einer Reise zu dokumentieren, wird sie Dir jedoch nicht ausreichen – aber vielleicht ergänzt sie sich mit Deinem Smartphone.

Der empfindliche Alleskönner: das Smartphone als Reisekamera

Denn vielleicht ist Dein Smartphone ja als Kamera schon gut genug. Wenn es Dich nicht stört, mit einem flachen Handy in der Hand und Display statt Sucher zu fotografieren, ist die Qualität, vor allem bei den High-End-Geräten von Apple, Huawei, Motorola, Samsung und Sony, hervorragend. Mit den entsprechenden Apps kannst Du nicht nur die Bilder mit Filtern bearbeiten, sondern auch die Qualität der Kamera ausreizen. Sieh Dir dafür mal die entsprechenden Kategorien im Google Play Store oder App Store an. Wenn Du aber individuelle Einstellungen vornehmen willst, sind die Menüs der meisten Foto-Apps oft mühsam einzustellen. Dafür geht natürlich das Teilen mit Freunden über das Smartphone am schnellsten. Und selbst hochwertige Bildbearbeitungs-Apps wie Snapseed (kostenlos) und Adobe Lightroom (nach Testphase kostenpflichtig) sind für iOs und Android Geräte erhältlich. Die einzige Beschränkung beim Smartphone ist die fixe Linse. Das heißt, das Smartphone kann nur einen Bildwinkel fotografieren. Das Zoomen, also Entferntes näher heranholen, wird digital im Bild am Sensor vorgenommen – das bedeutet durchaus sichtbare Qualitätsverluste. Bilder werden deshalb grisselig und eignen sich dann nicht mehr dazu, als Bildschirmhintergrund oder gar als Poster ausgedruckt zu werden. Umfangreiche Tipps zum Knipsen (nicht nur) mit Smartphones hat übrigens unser Mit-Blogger Michael Kausch hier auf Travellers Insight in seinem Beitrag über Reisefotografie zusammengetragen.

Sowohl als auch: Bridgekameras mit Tele

Bridgekameras können hier Abhilfe schaffen, sie sind zwischen Kompaktkameras, die meist ein optisches Zoom bis 4-fach haben, und DSLR angesiedelt. Die größere Bauweise bringt vor allem größere Objektive unter – ein 40-facher Zoom ist durchaus erhältlich. Mit so einem Tele kannst Du schon erhebliche Entfernungen, etwa für Tierfotos bei Safaris, überbrücken, ohne eine Riesenausrüstung mitzuschleppen.
Wenn Du Landschaftseindrücke sammeln willst, kommst du nicht ohne Weitwinkel aus, also ein Objektiv, das möglichst viel von der Landschaft links und rechts neben Dir aufnimmt. Bridgekameras lassen keinen Wechsel der Objektive zu, deshalb sind sie meistens auf starke Telezooms beschränkt.

Das Beste von allem: die Systemkamera als Reisekamera

Hersteller haben deshalb eine weitere Kategorie von Kameras auf den Markt gebracht, die die Funktionsvielfalt der Spiegelreflexkamera, einschließlich des Objektivwechsels, in kleinere und leichtere Gehäuse unterbringt, sogenannte Systemkameras. Die Systemkamera ist kleiner als eine Spiegelreflexkamera und verfügt nur über einen digitalen Sucher (und ein Display). Das heißt: nicht mehr der Spiegel zeigt im Sucher das Bild an, welches das Objektiv aufnimmt, sondern ein elektronisches Display. Da der Spiegel als Element wegfällt, sind diese Kameras wesentlich kompakter. Dass Systemkameras einen kleineren Sensor als DSLR-Kameras haben, spielt auch nur ab dem semi-professionellen Einsatzbereich eine Rolle – viele Profis fotografieren mittlerweile auch mit Systemkameras, weil sie kleiner und leichter sind und es viele Objektive vom Superweitwinkel bis zum starken Tele dafür gibt. Nahezu alle namhaften Apparatehersteller haben mittlerweile auch Systemkameras im Angebot. Wenn Du fotografieren willst wie ein Profi, aber etwas weniger tragen und investieren willst, ist das die richtige Kamera für Dich.

Welche Reisekamera ist die richtige für mich – Überblick

  • Kompaktkamera: wenn Du nicht alles mit dem Smartphone fotografieren willst und (bei teureren Modellen) noch zusätzliche Features benötigst, etwa Wasserdichtigkeit.
  • Bridgekamera: Wenn Du eine hochwertige Kamera willst und auf Wechselobjektive verzichten kannst.
  • Systemkamera: Wenn Du fotografieren willst wie ein Profi, aber das Gewicht einer Spiegelreflexausrüstung scheust.
  • Spiegelreflexkamera: Wenn Du hochwertige Poster und Bildbände produzieren willst und auch viel Zeit in die Nachbearbeitung investierst, ist höchste Qualität für Dich gerade gut genug.
  • Smartphone: Wenn Du ein hochwertiges Smartphone besitzt, macht das schon sehr gute Bilder. Nutze auf jeden Fall Foto-Apps, um die Qualität deiner Bilder weiter zu verbessern.Vor allem bei Outdoor- und sportlichen Aktivitäten ist das Smartphone zu empfindlich, entscheide dich dann für eine robuste Kompaktkamera.
  • Action Cam: Für alle schnellen Action-Erlebnisse genau das richtige, für den Alltag allerdings zu wenig, auch im Urlaub.

Tipp: Filme lassen sich mittlerweile mit allen Kameras, mindestens in guter YouTube-Qualität aufnehmen. Aber auf den Ton achten.

Bildhinweis: Alle Bilder von stocksnap.io. Lizenz: CC0 1.0 Universal (CC0 1.0) Public Domain Dedication

11 Kommentare

  1. Alexander Broy

    Lieber Markus,
    vielen Dank für deine prägnante Zusammenfassung. Auf meinen Reisen nehme ich immer mehrere Kameras mit. Ich sag mal, alles außer der DSLR, die ist mir einfach zu unhandlich und zu schwer. Mit meiner leichten und kompakten Olympus OMDII mit Festbrennweite kann ich absolut hochauflösende Fotos in Top-Qualität schiessen, das würde auch für Fototapeten reichen (aber wer will das schon). FullHD und sauberer Ton für Videos sind auch möglich. Das iPhone 6 ist ohnehin immer am Mann und arbeitet auch mit wirklich anständiger Qualität. Eine kleine GoPro ist nicht nur für Action am Radl-Lenker, sondern vor allem bei schlechtem Wetter, Dreck, Staub, Nässe ein Segen und immer dabei.

    Meine Feldstaffelei und die Leinwände sind im Gegensatz dazu ein echtes Graus: schwer, klobig, schmutzig und unhandlich, aber die analogste und höchste Auflösung überhaupt und der Grund, warum ich überhaupt reise. 🙂

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  3. Michael Kausch

    Ich bin eigentlich immer mit meiner Leica unterwegs, immer seltener mit meiner mechanischen M6, inzwischen fast immer mit einer aktuellen digitalen M. Interessieren würde mich, wie Ihr wenn nötig, Euren Sensor reinigt: Druckluft? Stäbchen? Ich nutze eigentlich ausschließlich einen einfachen Blasebalg. Hat jemand mit statisch aufladbaren Reinigungspinseln bereits Erfahrung gemacht? Sensorreinigung muss ja auch unterwegs manchmal sein.

    • Sensorreinigung ist ein „Reiche-Leute-Problem“. Ich habe genau eine Festbrennweite und die bleibt drauf, so habe ich mehr Zeit zum Schuheputzen. Ich habe ohnehin noch nie gehört, dass man den Gentleman an seinem Sensor erkennt ….

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  6. Michael Höppner

    Ach ja, Reisetipps. Irgendwie höre ich da immer eine kleine Stimme im Kopf, die sagt „Ich mach das so wie ich selber will“. Und siehe da, gerade beim Thema Kamera und Foto-Tipps gibt es die Stimme auch bei der Fotonanny (http://fotonanny.blogspot.de/2016/08/bessere-urlaubsfotos-tipps-vom_1.html), die ihrerseits den guten Johannes Mairhofer (http://www.einaugeistgenug.de/bessere-urlaubsfotos/ humorvoll kritisiert.
    Persönlich finde ich den letzten Satz einer Fortführung wert: der Ton beim Filmen ist eine Frage der Software und des Mikrophons, und bisher kenne ich dazu noch keinen guten Ratgeber.

  7. Zu Michael und Alexander: Sensorreinigung sollte so selten wie möglich stattfinden. Sensoren reinigen sich wahrscheinlich auch bei Leica (vielleicht sogar aufgrund des Preises gründlicher als bei anderen 😉 von selbst beim Einschalten, ein Mikrovibrieren sorgt dafür, dass Staub vom Sensor fällt. Gröbere Verunreinigungen schüttele ich nach unten aus, das hat bisher meistens gereicht. Im Übrigen ist der Sensor auch noch mit einer Schutzschicht überzogen, so dass ihr mit Pinseln und Blasebälgen gar nicht den Sensor direkt reinigt. Dennoch bleibt der Wechsel von Objektiven natürlich eine Gefahr für den sauberen Sensor. Wirklich reich ist deshalb der, der es sich leisten kann, für seine beiden Lieblingsobjektive jeweils eine Kamera parat zu haben. Daran arbeite ich.

  8. Lieber Markus: bei Leica vibriert nix. Ich nutze jetzt einen VisibleDust Arctic Butterfly: http://www.visibledust.com/products3.php?pid=712. Geht so einigermaßen.

  9. Markus Pflugbeil

    Im Leica Forum gefunden: „Was es bei Leica nicht gibt, das braucht man nicht.“
    So kann man das sehen, denn letztendlich kommt es auf die Bilder an. Wer im Sandsturm Objektive wechselt, ist selbst schuld, wenn er seinen Sensor verdreckt. Wer aber im Sandsturm in der Bude hockt und seinen Sensor reinigt, dem ist wirklich nicht zu helfen.

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