Palermo off the path: Street Art und Eis im Brötchen

Palermo. Erwartet habe ich einen Trip in eine Stadt, die mich nicht unbedingt begeistern würde. Ich dachte an leckeres Essen, nette Gebäude, ein bisschen Strand und Sonne. Dinge, die ich in vielen anderen Städten finden würde und die einen Ort austauschbar machen. Vorgefunden aber habe ich einen Ort mit Charme. Mit Geschichte und Leben. Eine Stadt mit Plätzen und Gassen wie aus einer anderen Welt. Ein Trip durch Palermo abseits der sogenannten „ausgetretenen Pfade“. Was natürlich nicht heißen soll, dass man sich die Hauptsehenswürdigkeiten entgehen lassen sollte.

Mein Abenteuer Palermo beginnt mit der Fahrt im Mietwagen in die Stadt. Der Verkehr in Palermo ist der Wahnsinn, für die nächsten Tage lege ich alle deutschen Eigenschaften wie „Abstand halten“, „Vorfahrt gewähren lassen“ und „Rücksichtnahme auf andere Verkehrsteilnehmer“ ab. Mein erster Anlaufpunkt ist das MICRO Tourist Information Centre im historischen Zentrum der Stadt. Ein kleiner unabhängiger Laden mit netten Leuten, die einem alle Infos für Touren, Highlights und Sehenswürdigkeiten in gemütlicher und privater Atmosphäre geben können.

Street Art in Palermo – eine Fahrradtour zu einzigartigen Orten und versteckten Plätzen

Eines meiner Highlights war die Street Art Bike Tour. Für drei Stunden geht es mit einer größeren Gruppe zu verschiedensten Plätzen der Stadt, die einem normalerweise verborgen geblieben wären. Wir halten in unscheinbaren Gassen und an großen, offenen Plätzen. Und bestaunen die bunten Kunstwerke. Kunst im urbanen Raum, Kunst zum Anfassen. Nicht aufgehängt in sterilen Räumen und perfekt ausgeleuchtet mit grellem Kunstlicht. Es sind Zeichnungen, Karikaturen, Porträts und Meisterwerke auf neuen und alten Hauswänden, vergänglich und der Witterung ausgesetzt. Gemacht von Künstlern, aber auch von den Bewohnern der einzelnen Stadtteile.

Während der Tour wird viel zu den Hintergründen der Graffitis erzählt und auch zu den örtlichen Bezügen. Wir kreuzen Plätze und Straßen, ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Neben verfallenen Häusern, zerbombt im Zweiten Weltkrieg, stehen bewohnte, halb verfallene Gebäude. Das Leben findet auf der Straße statt. Ich erfahre, dass die Straße für einige eine Erweiterung des Wohnraums ist. Teilweise fahren wir also durch das „Wohnzimmer“ der Menschen. Geduldet, misstrauisch beäugt, freundlich oder selbstverständlich werden wir empfangen.

Gebucht werden kann die Tour bei Palermo by Bike, dort findet Ihr weitere interessante Touren, per Bike oder zu Fuß.

Über den Dächern von Palermo – die Aussicht vom Teatro Massimo

Die beste Sicht auf eine Stadt? Die hat man von oben. Aus der Vogelperspektive sozusagen. In Palermo bietet sich dafür perfekt das Teatro Massimo im Stadtzentrum an. Von der Dachterrasse genießt man einen unverstellten 360-Grad-Rundblick auf die Stadt. Von den Bergen im Hinterland zum Monte Pellegrino am Stadtrand und vom Meer wieder zurück ins Hinterland. Leicht fühlt man sich als Voyeur, mit den vielen Ausblicken auf private Terrassen und in dunkle Zimmer. Bevor wir auf dem Dach landen, geht es durch die Räume des Theaters. Aber nur mit ein paar Personen steige ich auf’s Dach. Ausgestattet mit leuchtend grünen Bauhelmen nehmen wir einen in die Jahre gekommenen Aufzug, danach klettern wir ein paar Treppen und Leitern nach oben. Und staunen über die Aussicht.

Infos über die Tour und die Tickets gibt es auf der Seite des Theaters.

Shoppen in Palermo – einzigartig und handgemacht

In Palermo habe ich ein paar schöne Läden abseits von „Made in China“ entdeckt. Handgemacht, mit lokalen Produkten, zu fairen Preisen. Die Läden gehören zur Associazione Liberi Artigiani / Artisti Balarm (ALAB), einem Verband freier Künstler und Handwerker. In den unterschiedlichen Läden findet Ihr u.a. einzigartige Taschen, Schmuck aus ungewöhnlichen Materialien und den direkten Kontakt zu den Inhabern. Die Geschäfte befinden sich in den Stadtteilen Kalsa und Albergheria, relativ nah beieinander.

Essen und Trinken in Palermo – ein echter Genuss

Zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, wenn ich in Italien unterwegs bin, gehören Essen und Trinken. Die italienische Küche ist einfach unfassbar lecker und in meinem Kopf immer verbunden mit dieser speziellen lebensbejahenden Kultur. Ich starte den Nachmittag erstmal mit einem Eis. Einem besonders leckeren Eis. Im Brötchen. Im Brioscià gibt es feinste Eissorten, mit oder ohne Brioche, einer Art Milchbrötchen.

Danach möchte ich eigentlich eine Pizza bei Frida essen, angeblich die beste Pizzeria der Stadt. Nur ohne Reservierung ist das unmöglich. Also lande ich auf Empfehlung im FUD und lasse mir Burger und Bier schmecken. Zum Abschluss geht es noch auf einen Absacker ins Cantieri Culturali alla Zisa, einem alten Industriegelände und ein schönes Beispiel für restaurierte Industriearchitektur.

Die Gebäude beherbergen neben kleinen Bars und anderen öffentlichen Einrichtungen auch das jährlich stattfindende „Sicilia Queer Filmfestival“.

Tipps zum Schluss

Für Sightseeing zu Fuß eignet sich perfekt ein neuer Service der Stadt. Es gibt einen Bus, der komplett kostenlos im Zentrum verkehrt. Infos darüber gibt es u.a. im MICRO Office. Und noch ein Pluspunkt ist das kostenlose W-LAN, das jedem, auch ohne Anmeldung, zur Verfügung steht.

Dieser eine Moment in Palermo und ein Fazit

Es gibt einen Moment, der für mich die gesamte Zeit in Palermo definiert. Ich bin mit dem Fahrrad auf einer belebten Straße unterwegs, der Verkehr wirkt hektisch. Ich steige ab und blicke zufällig in eine unscheinbare Seitengasse – in den Eingang zu einer anderen Welt. Am Beginn steht ein alter grauhaariger Mann und verkauft Obst von einem verwitterten Holztisch. Dahinter erstrecken sich viergeschossige Gebäude, halb verfallen und von Gerüsten notdürftig gestützt. Überall dampft es, anscheinend wird draußen frisch gekocht. Die ganze Szene wirkt surreal. Ich habe das Gefühl, dass ich dem alten Mann am Eingang ein Zauberwort sagen muss, damit er mir den Einlass in diese andere Welt gewährt. Und so fühlte es sich die meiste Zeit an. Weg von den Hauptstraßen gibt es ein weiteres, ein zweites Palermo. Eine Stadt, die ich total unterschätzt habe und gerne noch einmal besuchen möchte.

Im zweiten Teil der Reise geht es vor die Tore von Palermo zum Wandern und Wein trinken.

Mehr zu Elisas Reise nach Palermo findest Du auch auf ihrem Blog take an adVANture.

10 Kommentare

  1. Es ist immer wieder eine Freude und Bereicherung, deine Reiseberichte zu lesen. Und es ist interessant, alles mit deinen Augen zu erleben.

  2. Die Fassadenkunst finde ich super! Davon hätte ich gerne noch mehr Bilder gesehen.
    Aber Danke! für den Einblick in eine Stadt, die auch bei mir nicht sehr weit oben auf der Liste stand, jetzt aber definitiv hochgerückt ist.

    • Hey Tom, danke dir für deinen Kommentar! Ich wäre am liebsten jeden Tag in den Straßen unterwegs gewesen und hätte jedes einzelne Kunstwerk fotografiert. Aber es gibt auch noch so viele andere Highlights, die sich für einen Besuch lohnen.

      Viele Grüße
      Elisa

  3. Pingback: Wandern und Wein: rund um Palermo - Travellers Insight

  4. Toller Bericht! Ich war vor kurzem auch in Palermo, Bericht folgt bald auf meinem Blog. Es war aber sicher nicht mein letzter Besuch dort & beim nächsten Mal denke ich an deine Tipps 🙂

    • Danke schön! 🙂
      Ich komme auch wieder, es gibt noch so viele Ecken, die entdeckt werden möchten. Außerdem muss ich mich nochmal auf die Suche nach der einen Gasse begeben.

      Viele Grüße
      Elisa

  5. Pingback: Monte Cofano, Sizilien. Eine Wanderung mit Aussicht // take an adVANture

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  7. Liebe Elisa, ich habe letzten Freitag (16.7.2017) die Street Art Bike Tour in Palermo mitgemacht. Es gibt keine bessere Art, eine Stadt innerhalb von 3 h kennenzulernen. Mein Fazit: Fahrradfahren in Palermo ist auch nicht gefährlicher als in München (im Gegenteil). Man kommt in Ecken von Palermo, in die ich mich sonst nie verlaufen bzw. hineingetraut hätte. Street Art ist mehr als vergängliche Kunst. Sie wirkt identitätsstiftend gegen Mafia, für bessere wirtschaftliche Perspektiven und Integration. Wir (meine Frau und meine 15-jährige Tochter) waren sehr begeistert. Herzlichen Dank für diesen Tipp. Thomas

    • Elisa // take an adVANture

      Hallo Thomas,

      ich danke dir für den netten Kommentar! Und das freut mich sehr, dass euch die Tour gefallen hat. 😀
      Ich denke auch noch immer gerne an die Tage in Palermo zurück.

      Lieben Gruß,
      Elisa

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