Wandern und Wein: rund um Palermo

Dieser Reisebericht ist die Fortsetzung von Elisas Beitrag über ihren Trip nach Palermo.

Ich habe das Gefühl, dass es in Sizilien nur zwei Arten von Geräuschen gibt: laute oder leise, hektischen Lärm oder perfekte Stille. Palermo ist eine pulsierende Stadt, voll von jungen Leuten, Touristen und Sehenswürdigkeiten. Ein Ort, perfekt geeignet für Kultur und Sightseeing. Aber manchmal, da braucht es eben etwas weniger von all dem. Weniger Hektik, mehr Ruhe. Und das findet man gar nicht mal so weit weg von der Stadt.

Mondello Beach – der Stadtstrand von Palermo

Vielleicht ist der Strand nicht unbedingt der perfekte Ort für Stille und Ruhe. Vor allem am Wochenende ist er voller Testosteron, Zurschaustellung von nackter Haut und buntem Kinderanimationsprogramm. Aber früh morgens, unter der Woche, strahlt selbst dieser Ort eine gewisse italienische Gelassenheit aus. Mit dem Auto oder Bus ist man innerhalb von 30 Minuten dort und kann das noch etwas verschlafene Treiben vor blauem Hintergrund genießen.

Aber auch ein Fleckchen Natur ist nicht weit. Am Capo Gallo, direkt im Anschluss an Mondello, findet man sattes Grün, perfekte Stille und kurze Wanderwege. Eine schmale Straße führt zum alten, verfallenen Leuchtturm. Noch ein Stück weiter ragen schroffe Felsen ins Wasser, einzig das Geräusch der daran brechenden Wellen ist zu hören.

Kleiner Roadtrip – große Aussicht

Palermos Umland eignet sich perfekt für kleine Roadtrips und Abstecher ins Grüne. Ist man erstmal dem hektischen Verkehr der Stadt entkommen, geht es ganz gemütlich zu. Die Straßen verlaufen vorbei an kleinen Dörfern, es ist hügelig und schöne Aussichten warten hinter jeder Bergkuppe. Ist man den Verkehr aus der Stadt gewöhnt, wird man von der Einsamkeit auf den Landstraßen überrascht. Und vergisst schon mal gerne den Gegenverkehr.

Für eine kurze und schattige Wanderung geht es zum Bosco della Ficuzza, dem größten Waldgebiet nahe Palermo. Ficuzza ist ein kleiner Ort am Hang des Rocca Busambra. Während man im Nationalpark einige schöne und leichte Wanderungen unternehmen kann, erfordert die Besteigung des Berges gute Kenntnisse und im besten Fall einen Wanderführer. Die Beschilderung ist schlecht, so landen wir auf einem Trail für Mountainbikes und wandern dort entlang, bis die Zeit knapp wird. Die Aussicht entschädigt für alle Verwirrungen.

Weinprobe im tiefsten Hinterland von Palermo

Was darf auf keinem Trip nach Sizilien fehlen? Natürlich der Wein! Ich selber gehöre ja eher zu der Fraktion „Bierchen am Strand bei Sonnenuntergang“, aber nach den leckeren Kostproben werde ich definitiv öfter mal umschwenken. Zusammen mit Wine in Sicily geht es zu zwei kleinen Weingütern eine knappe Stunde, ca. 45 km, südwestlich von Palermo, in der Nähe von Camporeale gelegen. Die Weingüter Porta del Veneto und Principi di Spadafora gehören zu den Weinregionen Monreale und Alcamo rund um Palermo. Dort werden Weine aus Traubensorten gekeltert, die es nur in Sizilien gibt, wie die weißen Rebsorten Grillo und Catarratto. Aber es gibt auch Weine mit internationaler Stilistik in hoher Qualität aus weltweit bekannten Sorten, wie Chardonnay Weißweine oder Rotweine wie Syrah und Cabernet Sauvignon. Das Wetter und die Aussichten sind traumhaft. Wir laufen durch die Weinfelder, ich erfahre viele interessante Dinge über die Ernte, über die Produktion und über die Weinkultur.

Das wichtigste aber sind die Kostproben. Ich probiere mich durch Rot- und Weißwein, durch Rosé und Sekt. Es ist nicht nur eine Kultur, es ist eine Art Lebensgefühl. Die Verkostung wird zelebriert, zu den Weinen werden leckerste Appetithäppchen gereicht. Oliven aus eigenem Anbau, frischer Käse mit selbstgemachtem Brot. Es wird probiert, geschwenkt, gerochen und nachgegossen. Und über die Reinheit und Vielfalt der sizilianischen Weine philosophiert.

Monte Cofano – eine einsame Wanderung

Es war eine dieser Wanderungen im Hinterland von Palermo. Anstrengend wegen der Hitze, wunderschön wegen der Landschaft. Am Eingang zum Nationalpark Riserva di Monte Cofano in Cornino parke ich das Auto. Es ist bereits 11 Uhr und die Sonne steht hoch am Himmel. In einer kleinen Hütte wartet eine freundliche Dame, 2 Euro Eintrittsgebühr sind fällig. Ausgestattet mit einer Karte und reichlich Wasser mache ich mich auf den überraschenderweise gut befestigten Weg. Nach einigen Hundert Metern muss ich schmunzeln: Steht doch dort direkt am Wasser eine Kuhherde mit Kuhglocken, der typische Geruch von frischen Kuhfladen liegt in der Luft. Ich fühle mich kurzzeitig wie in den Alpen.

Am Anfang verläuft der Weg direkt am Fuß des Monte Cofano. Ich bin ausschließlich alleine unterwegs, keine Menschenseele teilt sich mit mir die schönen Aussichten. Kleine Geckos flitzen über die Wege. Nach der Hälfte des Weges nehme ich die Abkürzung und steige den Berg hinauf. Was ich bald schon bereue, die Sonne sticht mit über 30 Grad auf meinen Kopf runter. In den Sommermonaten sollte die Tour nur in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden begangen werden, insgesamt bin ich drei Stunden unterwegs.

Für eine Abkühlung nach der Wanderung kann ich den Zingaro Nationalpark auf dem Rückweg empfehlen. Mehrere Buchten reihen sich an der Küste aneinander. Der Park ist bei den Sizilianern sehr beliebt und kostet 5 Euro Eintritt. Wandert man ein bisschen weiter vom Eingang weg, hat man die kleinen Strände fast für sich alleine.

Terrasini – ein Ort für die letzte Nacht

Kaum 10 Kilometer vom Flughafen Palermo Punta Raisi entfernt liegt Terrasini, ein kleines italienisches Städtchen, vom Tourismus noch vollkommen verschont. Und genau das macht den Reiz aus. Keine Hotels, keine verbauten Strände, keine an den Tourismus angepasste Gastronomie. Die Tische der Restaurants teilt man sich mit den Einheimischen, schon nach kurzer Zeit fühlt man sich, als wäre man ein Teil dieser kleinen italienischen Gemeinschaft. Terrasini eignet sich perfekt als Ausgangspunkt für Touren ins Hinterland oder für Wanderungen im Umland. Ich starte den Morgen mit einem unfassbar leckeren und süßen Frühstück im Margaret Café. Die Inhaberin ist ein junges, fröhliches Mädel, das bei all ihren Kreationen auf lokale und gesunde Produkte achtet.

Danach starte ich zu einer kleinen Wanderung ans Capo Rama, ein kleines Kap direkt an der Stadtgrenze. Der Eingang zum Wanderweg ist leicht versteckt und schon nach kurzer Zeit zeigt sich mal wieder, wie nah Lärm und Stille beieinander liegen. Ich verlaufe mich zwei Mal an der gleichen Stelle und lande mitten in einem Kaktusfeld. Das Kap ist auch mit dem Auto zu erreichen und lädt zum Sonnenuntergangspicknick ein.

Und zum finalen Abschluss lasse ich mir einen Aperitivo in der Weinbar Friend’S auf dem Piazza Duomo in Terrasini schmecken. Und beobachte die Leute.

2 Kommentare

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